Statt eines Versuchs, das klangliche Verhalten eines Vintagegerätes nachzuempfinden, wie es per Modeling getan wird, wird mithilfe der Liquid Technologie das Klangverhalten des Originals gesampelt. Dieses wird durch die dynamische Faltung (Dynamic Convolution) umgesetzt – ein einzigartiges Verfahren, das mit einer pegelabhängig angepassten Serie von Impulsantworten arbeitet. Die gemessenen Impulsantworten, die in diversen Pegelstufen und jeder denkbaren Reglereinstellung erfasst wurden, werden auf Samplebasis auf das eingehende Audiosignal akkurat angewendet.
Dennoch ist es nicht möglich, nur mit Software eine überzeugende Emulation eines Mikrovorverstärkers zu erreichen. Der Einsatz von Hardware ist notwendig, um die physische Interaktion mit dem Mikrofon nachzubilden, denn die Vorstufen stehen stets in Interaktion mit dem angeschlossenen Mikrofon. Ein solches System ist nie zu 100 % effizient, denn immerhin soll ein Vorverstärker eine breite Palette unterschiedlicher Mikrofone bedienen – vom einfachen dynamischen Typ über Röhrenkonstruktionen, Großmembrantypen und phantomspannungsgespeisten Kondensatormodellen.
Um dieses Ziel erfolgreich zu erfüllen, ist die Eingangsstufe der unterschiedlichen Vintageklassiker immer wieder anders aufgebaut. So ist beispielsweise der Bereich der eingesetzten elektronischen Übertrager im Eingangsbereich in etlichen Impedanzen ausgeführt worden. Und genau deshalb ist die analoge Komponente bei der Vorverstärkeremulation unbedingt erforderlich. Würde man diese nicht emulieren, so könnte ein bestimmtes Mikrofon nicht die spezifische Rückmeldung in Form einer Last erzeugen, was zu einem abweichenden Klangergebnis gegenüber dem Vintageoriginal führen würde. Es gibt keinen gültigen Standard für Mikrofonvorstufen. So besteht beispielsweise ein Übertrager aus zwei Spulen, von denen die Erste ein Magnetfeld auf die Zweite überträgt – schon dieses System ist aufgrund der Spannbreite der unterschiedlichen Modelle in keiner Weise einheitlich.
Die Impedanz am Eingang des Vorverstärkers ist ein weiterer Schlüsselfaktor beim Anschluss eines Mikrofons, das seinerseits über eine Ausgangsimpedanz verfügt. Entsprechend reagieren beide Seiten, Mikrofon und Vorverstärker, aufeinander, was sich oft in einer frequenzspezifischen Pegeländerung äußert. Auch die Kapazitäten von Mikrofonen und Vorverstärker haben einen Einfluss auf den Klang und können beispielsweise zu einer Höhenbedämpfung oder einer Betonung führen, die man etwa in als “Luftigkeit” in der ISA-Serie wahrnimmt. Ältere Rundfunk-Mikrofone weisen ihrerseits oft selbst eine Höhenabsenkung oberhalb von 12 kHz auf, da man diesem Frequenzbereich vor 1970 kaum Beachtung schenkte beziehungsweise durch Filterung Probleme im hohen Frequenzspektrum eliminierte.
Die Konsequenz dieser Überlegungen: Um eine große Anzahl unterschiedlicher Konstruktionen mit unterschiedlichen Schaltungen, Widerständen, Kapazitäten zu emulieren, muss eine analoge Schaltung entwickelt werden, die diese Vielseitigkeit liefern kann. Durch die Integration einer „Liquid” Vorverstärkerschaltung mit variablem Signalpfad und Impedanz, kann Liquid Saffire 56 die klassischen Mikrofonvorverstärker so emulieren, dass sie gemäß dem Original in authentischer Weise mit dem angeschlossenen Mikrofon interagieren.
Tatsächlich wird bei den unterschiedlichen Preamp-Emulationen nicht nur die dynamische Faltung angepasst, sondern auch die analoge Schaltung selbst. Kapazitäten und Widerstände innerhalb der Schaltung können je nach Modell variiert werden, während das Dynamic-Convolution-Verfahren den Frequenzbereich nachbildet. Selbst eine Röhrensimulation ist vollständig über die Faltung abgedeckt. Alle Klangkomponenten, die in einer klassischen Röhrenvorstufe auftauchen, sind auch im Liquid-Vorverstärker vorhanden. Der Klang jedes Optokopplers, jedes VCA-Kompressors, Trafo- oder elektronische Symmetrierung, sogar über Röhren, kann durch das Faltungsverfahren berechnet werden.
* WICHTIGE INFORMATION: FOCUSRITE, das FF logo, LIQUID TECHNOLOGY, SAFFIRE MIX CONTROL und das LIQUID SAFFIRE 56 Logo sind Markenzeichen von Focusrite Audio Engineering Ltd. DYNAMIC CONVOLUTION ist ein Markenzeichen von Sintefex Ltd. Alle anderen Produktnamen, Markennamen, Markenzeichen oder Handelsmarken sind Eigentum ihrer jeweiligen rechtlichen Eigentümer und in keiner Weise mit Focusrite oder den LIQUID SAFFIRE Produkten verbunden beziehungsweise liefern auch keine Unterstützung der Focusrite LIQUID SAFFIRE Produkte. Alle anderen Produktnamen, Markennamen und Markenzeichen werden lediglich zu Zwecken einer Produktidentifizierung genutzt, die für die LIQUID SAFFIRE Produktentwicklung untersucht wurden. Sie dienen gleichzeitig der akkuraten Funktionsbeschreibung der Liquid Produkte. Die Liquid Produkte stellen unabhängige Entwicklungen dar, die das patentierte Verfahren der dynamischen Faltung (Dynamic Convolution) nutzen. Hierbei werden beispielhaft Messungen zum Einfluss analoger Geräte auf einen Klangdatenstrom gemessen, um deren Auswirkung elektronisch zu emulieren. Die Ergebnisse dieses Prozesses sind subjektiv und können durch einen Anwender eventuell vom Klangeffekt als nicht identisch mit den Originalprodukten wahrgenommen werden.